Lizenzierung von Microsoft Software innerhalb virtueller Systeme

Autor: Thomas Kuberek, MCSEboard.de

Virtualisierungstechnologien wie Virtual PC, Virtual Server oder VM Ware haben sich immer mehr etabliert und bieten gegenüber physikalischen Systemen einige Vorteile.
Was ist jedoch beim Einsatz von Microsoft Lizenzen innerhalb virtueller Systeme zu beachten? Vieviele Lizenzen brauche ich denn, wenn ich (möglicherweise zusätzlich zu meinen physikalischen Instanzen) Teile meiner IT virtuell abbilden will?
Dieses HowTo soll helfen das Verständnis für die Lizenzierung von Microsoft Produkten, in virtuellen Umgebungen besser zu verstehen.
Um eine bestmögliche Verständlichkeit zu gewährleisten werden nur die gängigsten Szenarien betrachtet.
Es ist zu beachten dass sich alle hier beschriebenen Lizenzierungsmöglichkeiten nur auf Lizenzen beziehen welche über Volumenlizenzverträge (Open, Select, EA, etc.) erworben wurden. Bei allen anderen lizenzprogrammen (OEM/SB, FPP, etc.) ist das jeweilige, dem Produkt beiliegende EULA (End User License Agreement) zu Rate zu ziehen.
Wenn spezielle Nutzungsszenarien nicht berücksichtigt wurden, oder weitere Fragen aufgeworfen wurden, so wird der Autor dieses Artikels diese gerne in dem Lizenzforum von  www.MCSEBoard.de beantworten:

www.mcseboard.de/microsoft-lizenzen-50/

Wir betrachten die Lizenzierung, bei Virtuellen Systemen, in den fünf grundlegenden Lizenzierungsmodi:
- Desktop Anwendungen
- Desktop Betriebssysteme
- Server Betriebssysteme
- Server im „Server/CAL“ Modus
- Server im „per Prozessor“ Modus

Desktop Anwendungen:

Applikationen werden je Installation/Gerät lizenziert. Das bedeutet dass, je Lizenz, grundsätzlich eine Installation, auf einem Gerät vorgenommen werden darf.
In einem virtuellen System, auf demselben physikalischen Gerät, darf die lizenzierte Version der Software, zusätzlich zu der Installation in der physikalischen Systemumgebung, innerhalb dieser virtuellen Maschine noch einmal installiert und genutzt werden.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

A. Allgemeine Lizenzbestimmungen. Für jede Lizenz, die Sie erwerben, haben Sie die folgenden Rechte.

I) Rechte zur Installation und Nutzung.
a) Lizenziertes Gerät. Das lizenzierte Gerät ist das Gerät, auf dem Sie die Software verwenden.
• Sie sind berechtigt, eine Kopie der Software, eines Komponentenprodukts der Software und einer früheren Microsoft-Version der Software oder einer Komponente auf dem lizenzierten Gerät zu installieren und zu verwenden.
• Sie sind außerdem berechtigt, eine weitere Kopie der Software in einer virtuellen Betriebssystemumgebung auf dem lizenzierten Gerät zu installieren und zu verwenden.

Sollen weitere Installationen innerhalb virtueller Systeme genutzt werden sind zwei Nutzungen, innerhalb virtueller Systeme, auf demselben physikalischen Gerät, je Lizenz zulässig. Das grundsätzliche Nutzungsrecht ist, im Gegensatz zu dem zusätzlichen Recht die Software innerhalb virtueller Systeme zu nutzen, nicht auf physikalische Systeme beschränkt.

Desktop Betriebssysteme:

Bei den Desktop Betriebssystemen ist es relativ trivial. Hier sind bis zu zwei Installationen, auf demselben physikalischen Gerät, je Lizenz, zulässig. Hierbei ist es irrelevant ob diese Installationen innerhalb einer physikalischen oder virtuellen Systemumgebung vorgenommen werden.
In einem virtuellen System, auf demselben physikalischen Gerät, darf die lizenzierte Version der Software, zusätzlich zu der Installation in der physikalischen Systemumgebung, innerhalb dieser virtuellen Maschine noch einmal installiert und genutzt werden.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

A. Allgemeine Lizenzbestimmungen. Für jede Lizenz, die Sie erwerben, haben Sie die folgenden Rechte.

I) Rechte zur Installation und Nutzung.
a) Sie sind berechtigt, bis zu zwei Kopien der Software auf einem Gerät zu installieren.

Sollen weitere Installationen innerhalb virtueller Systeme genutzt werden sind zwei Nutzungen, innerhalb virtueller Systeme, auf demselben physikalischen Gerät, je Lizenz zulässig. Das grundsätzliche Nutzungsrecht ist nicht auf physikalische Systeme beschränkt.

Server Betriebssysteme:

Bei den Server Betriebssystemen ist je Lizenz grundsätzlich nur eine Installation zulässig. Hierbei ist es irrelevant ob diese innerhalb einer physikalischen oder virtuellen Systemumgebung betrieben wird.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

A. Allgemeine Lizenzbestimmungen. Für jede Softwarelizenz, die Sie erwerben, haben Sie die folgenden Rechte.

II) Ausführen von Instanzen der Serversoftware. Für jede Softwarelizenz, die Sie zuweisen, sind Sie berechtigt, jeweils eine Instanz der Serversoftware in einer physikalischen oder virtuellen Betriebssystemumgebung auf dem lizenzierten Server auszuführen.

Das bedeutet dass für jede weitere Installation, unabhängig davon ob innerhalb eines physikalischen oder virtuellen Systems, eine zusätzliche Lizenz erforderlich ist.
Eine Ausnahme hiervon macht der (und nur der) Windows Server 2003 R2 Enterprise Edition.
Hier dürfen mit einer Lizenz, zusätzlich zu der physikalischen Installation, bis zu vier virtuelle Installationen, auf demselben physikalischen Gerät, betrieben werden.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

B. Ausnahmen und zusätzliche Bestimmungen für bestimmte Produkte.

Für Windows Server 2003 R2, Enterprise Edition:
Ausführen von Instanzen der Serversoftware. Für jede Lizenz, die Sie zuweisen, gilt Folgendes:
• Sie sind berechtigt, auf dem lizenzierten Server jeweils Folgendes auszuführen:
o eine Instanz der Serversoftware in einer physikalischen Betriebssystemumgebung und
o bis zu vier Instanzen der Serversoftware in virtuellen Betriebssystemumgebungen (nur eine Instanz pro virtueller Betriebssystemumgebung). Sie sind berechtigt, eine Instanz von Standard Edition anstelle von Enterprise Edition in diesen virtuellen Betriebssystemumgebungen auszuführen.

• Wenn Sie alle fünf erlaubten Instanzen gleichzeitig ausführen, darf die Instanz der Serversoftware, die in der physikalischen Betriebssystemumgebung ausgeführt wird, nur verwendet werden, um Hardwarevirtualisierungssoftware auszuführen und Betriebssystemumgebungen auf dem lizenzierten Server zu verwalten und zu warten.

Das bedeutet dass bis zu vier produktive Instanzen des Servers, mit nur einer Lizenz, auf demselben physikalischen Gerät, betrieben werden dürfen. Die fünfte (physikalische) Installation darf dann lediglich als Hostsystem genutzt werden.

Server im „Server/CAL“ Modus:

Hier ist es wiederum trivial. Für jede Installation, unerheblich ob in einer physikalischen oder virtuellen Umgebung, ist eine eigene Lizenz notwendig.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

I) Ausführen von Instanzen der Serversoftware. Für jede Serversoftwarelizenz, die Sie zuweisen, sind Sie berechtigt, jeweils eine Instanz der Serversoftware in einer physikalischen oder virtuellen Betriebssystemumgebung auf dem lizenzierten Server auszuführen.

Server im „per Prozessor“ Modus:

Wie viel Lizenzen erforderlich sind hängt hier nicht von der Anzahl der Installationen/Nutzungen ab, sondern von der Anzahl der Prozessoren. Für jeden physikalischen Prozessor, der für das Serverbetriebssystem sichtbar ist, wird eine Prozessorlizenz benötigt.
Bei Installationen in virtuellen Systemen, wird je virtuellem Prozessor, welcher für das Serverbetriebssystem, innerhalb der virtuellen Maschine, sichtbar ist, eine eigene Prozessorlizenz benötigt.
Dafür dürfen beliebig viele Instanzen der Software, je physikalischer oder virtueller Systemumgebung, auf dem lizenzierten Gerät ausgeführt werden, es sind keine zusätzlichen Lizenzen erforderlich. Alle Installationen, auf dem lizenzierten Gerät, sind durch die Prozessorlizenzen abgedeckt.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

a) Bestimmen der erforderlichen Anzahl von Lizenzen. Sie sind verpflichtet, zuerst die Anzahl der Softwarelizenzen zu bestimmen, die Sie benötigen. Die Gesamtanzahl der für einen Server erforderlichen Softwarelizenzen entspricht der Summe der unter den nachfolgenden Ziffern (i) und (ii) erforderlichen Softwarelizenzen.

i) Zum Ausführen von Instanzen der Serversoftware in der physikalischen Betriebssystemumgebung auf einem Server benötigen Sie eine Softwarelizenz für jeden physikalischen Prozessor, den die physikalische Betriebssystemumgebung verwendet.

ii) Zum Ausführen von Instanzen der Serversoftware in virtuellen Betriebssystemumgebungen auf einem Server benötigen Sie eine Softwarelizenz für jeden virtuellen Prozessor, den jede dieser virtuellen Betriebssystemumgebungen verwendet. Wenn eine virtuelle Betriebssystemumgebung einen Bruchteil eines virtuellen Prozessors verwendet, zählt der Bruchteil als vollständiger virtueller Prozessor.

 

Die vollständigen Lizenzbedingungen sind, stets aktuell, auf den Microsoft Webseiten einzusehen:

www.microsoft.com/germany/lizenzen/ueberblick/pur/default.mspx

Stand: September 2006

©MCSEboard.de, Thomas Kuberek