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Teil 4 - Konflikterkennung bzw. Ablage von durch DFS-R gelöschter Dateien und Ordner

Autor: olc, MCSEboard.de

 

Während der Datenreplikation wird unter anderem der Timestamp von den zu replizierenden Dateien ausgewertet. Als allgemeine Faustformel in der Praxis heißt das, dass die letzte Dateiversion (besser gesagt die Datei mit dem letzten Timestamp) bei einem auftretenden Konflikt „gewinnt“ und die ältere Datei überschrieben wird. Dieses Prinzip nennt Microsoft „last-writer wins“. Es gibt hier jedoch auch Ausnahmen, so z.B. bei einem Restore Vorgang o.ä., da DFS-R die Änderungsdaten aus dem NTFS-Jounal ausliest.

Bei Ordnerkonflikten ist das Gegenteil der Fall. Hier greift im Allgemeinen "first-creator wins", also der zuerst erstellte Ordner gewinnt den Konflikt bzw. ist authorisierend, nicht der zuletzt erzeugte. Der Hintergrund für diese Designentscheidung ist gut nachvollziehbar: Es werden beispielsweise zwei Ordner bei geschlossenem Replication Schedule an verschiedenen DFS-R Standorten erzeugt. Der erste Ordner am Vormittag um 09:00 Uhr, der zweite Ordner um 17:00 Uhr. Ab 18:00 Uhr ist der Schedule bis in die Morgenstunden geöffnet. Es ist nun anzunehmen, daß in dem am Morgen angelegten Ordner länger gearbeitet wurde, d.h. ein Verlust der darin enthaltenen Daten schwerwiegender sein würde. Daher wird der ältere Ordner und dessen Inhalt beibehalten und im Gegensatz zu der Konfliktlösung bei Dateien nicht der Inhalt des zuletzt erzeugten Ordners.

Was heißt das für die Praxis? Bei einem Konflikt von zwei erzeugten Ordnern mit gleichem Namen in der gleichen Filesystemstruktur auf zwei DFS-R Servern wird der Inhalt der beiden Ordner zusammengeführt (merging) - es wird also nicht der zuletzt erzeugte Ordner komplett überschrieben. Vielmehr werden die Inhalte der beiden Ordner bei der Zusammenführung nicht mit "last-writer wins" zusammengeführt; bei Konflikten gewinnt die Datei, die im zuerst angelegten Ordner lokalisiert ist.

Zurück zu den Dateien: Die Datei, die bei einem Konflikt „verliert“, wird standardmäßig in den „ConflictAndDeleted“ Ordner unterhalb des versteckten Ordner „DfsrPrivate“ eines jeden Replikationsordners verschoben.
Dieses Verhalten lässt sich jedoch auch deaktivieren, so dass die Daten sofort gelöscht werden (siehe Abb. 07, Option „Gelöschte Dateien in Konflikt- und Löschordner verschieben“). Das macht beispielsweise dann Sinn, wenn Schattenkopien auf den Systemen angefertigt werden, so dass die Daten auch ohne diesen Ordner im Notfall wiederherstellbar sind.

Der Server, der den Konflikt "verloren" hat, wird die gelöschte Datei im „ConflictAndDeleted“ Ordner des entsprechenden Replikationsordners speichern. Im Zweifel ist also „suchen“ angesagt - hier ist eine regelmäßige Auswertung der DFS-R Eventlogs unerläßlich…

Die Daten in diesem Ordner haben nicht mehr die gleichen Namen wie im Filesystem bzw. werden Sie zusätzlich mit GUIDs und anderen DFS-R internen Daten versehen, um Namenskonflikte in dem Ordner zu vermeiden und die Dateien eindeutig zuordnen zu können, sollten verschiedene Dateiversionen einer Datei in dem Ordner landen.
Die Zuordnung der Daten wird über die Datei „ConflictAndDeletedManifest.xml“ im Verzeichnis „„<DFS-Share Pfad>\DfsPrivate\“ hergestellt. Will man also eine Datei wiederherstellen, muss man den Namen der Datei mit Hilfe der XML-Daten zuordnen oder Skripte nutzen(siehe [5]).

Abb. 07

Für den „ConflictAndDeleted Ordner“ existieren ebenfalls Quotas. Mit diesen wird festgelegt, wie viele Daten in dem Ordner gespeichert werden können, bevor die ältesten dort abgelegten Daten gelöscht werden.
Standardmäßig liegt die Quota-Größe dieses Ordners bei 660 MB. Dieser Wert kann jedoch ebenfalls verändert werden (siehe Abb. 07).

Auch im „ConflictAndDeleted“ Ordner gelten die Low- und High-Watermarks. Wird das Quota mit 90% ausgelastet, werden die ältesten Daten gelöscht, bis der Wert der Low-Watermark, also 60%, wieder erreicht ist.

Es sollte also auch für diesen Ordner im Einzelfall entschieden werden, wie groß die Quotas sein sollen. Sind diese zu klein, gehen unter Umständen wichtige Daten verloren, da sie vielleicht zu schnell aus dem Verzeichnis endgültig gelöscht werden…

Eine interessante Anmerkung zu dem „ConflictAndDeleted“ Ordner ist noch zu machen: Auch die Inhalte dieses Ordners werden bei der Datenreplikation mittels Cross-File-RDC herangezogen. Das finde ich persönlich schon beachtlich… :-)

 

© MCSEboard.de, olc

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